Ich finde blaue Kurbelwellen komisch


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Geschrieben von Werner am 10. Mai 2019 11:08:03:

Als Antwort auf: Re: Käufer wollte es geschrieben von Uli S. am 10. Mai 2019 09:49:31:

Moin,

vor Jahren haben wir einen Kompressor an den Ar... gefahren. Wobei "wir" es nicht Schuld waren, sondern der Instandsetzer, der für über eine Mio EUR an dem Ding eine Generalinspektion mit Lagertausch und allem möglichen gemacht hat.

Das Lagerspiel war zu eng, allerdings nur ein bißchen. Uns fielen um 10 °C erhöhte Lagertemperaturen auf, die wir aber nicht als kritisch eingestuft haben. Die Lagerdurchmesser betrugen 11 Zoll. Maschinendrehzahl 333/min, Antriebsleistung 3000 kW, Kurbelwelle 9-fach gelagert (8 Zylinder).

Nach mehrwöchigem Probebetrieb passierte es: die Lagertemperaturen gingen auf einmal ab, wie eine Rakete bis zum Meßbereichsende (300 °C) und das Dingen war im Eimer. In der Maschinenhalle stank es nach Öl und der Instandsetzer öffnete die Deckel des Gehäuses. Die Lager glühten bis nach außen rot und lösten bei den Infrarotfeuermeldern Brandalarm aus. Riesenhektik, Feuerwehr usw. usw. usw.

Die Kurbelwelle ging mit ihren 5,4 Tonnen Gewicht zum Schiffsmotoren-Instandsetzer - aaaaaaaaber: blau war da nichts. Soll blau die Anlaßfarbe sein ? Bei einem ölgeschmierten Lager ? Woher kommt denn die notwendige Luft, die bei 300 °C zur partiellen Oxidation des Eisens zu Eisen-II-oxid führt?

Kurbelwelle wieder rausgerupft im halbglühenden Zustand, die vekokten Ölreste abgeputzt und dann kamen die Anlaßfarben ? So schnell möchte ich auch mal sein. Ich will nicht lästern, aber ich finde das komisch.


Üblich ist doch, daß man bei Teilelieferungen ausschließt, daß diese zusammen mit jedweder Baugruppe ein garantiertes, funktionsfähiges Ganzes ergeben. Das wird doch keiner machen, daß er ein Teil verschickt und dann für einen Folgeschaden aufkommt. So etwas gehört dringend in die allgemeinen Geschäftsbedingungen und ist selbst ohne diesen Zusatz übliche Praxis - auch vor Gericht. Außerdem muß doch der Kläger erst einmal nachweisen, daß es wirklich dieses Teil war, was in Kombination mit anderen Bauteilen zum Schaden geführt hat.

Entspricht das gelieferte Teil nicht der Bestellung oder ist es nach üblichen Maßstäben mittlerer Art und Güte nicht verwendbar - z.B. weil krumm - dann besteht Anspruch auf Nachbesserung, Ersatzlieferung, oder sogar Wandlung.

Also aus meiner Sicht ist da irgendwas oberfaul. Einen solchen Sachverständigen darf man auch ablehnen. Das Gericht muß dann einen anderen finden. Und im KFZ-Wesen gibt es ja wohl genügend Leute, die sich mit blauen Kurbelwellen auskennen, oder nicht ?


Gruß

Werner


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