Gewindeschneiden an der Drehbank


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Geschrieben von Werner am 16. Januar 2021 14:07:31:

Als Antwort auf: Habe ich nicht geschrieben von waldi am 16. Januar 2021 10:45:57:

Moin Waldi,

kann ja sein, dass Deine Maschine diese Übersetzungen alle in ihrem Räderkasten schon hat. Dann würde mich aber wundern, dass keine metrischen Angaben darüber existieren. Bei meiner ist der Räderkasten durch eine aufklappbare Schutzhaube abgedeckt, in der innen die Tabellen für die Gewinde stehen. Man muß nicht nur für Zoll/Metrisch Räder wechseln, sondern auch für bestimmte Bereiche beider Systeme. Ich habe es selbst noch gar nicht probiert und weiß auch nicht, ob die Räder, die ich beim Erwerb mit bekommen habe, auch wirklich vollständig sind. Jedenfalls ist das alles gradverzahnt und die "Musik" geht durch das ganze Haus, wenn ich das Vorschubgetriebe einklinke. Die meisten Sachen drehe ich ohne Getriebe von Hand. Bei kritischen Sachen, die Späne fressen oder anfangen zu quietschen, da schalte ich es ein, um genau einen bestimmten Vorschub einhalten zu können. Dieses aber meist nur im Langsamgang, da macht der Räderkasten auch nicht solch einen Krach.

Gewinde habe ich bisher immer mit Kluppe oder Gewindeeisten geschnitten, wobei ich dafür gerne die Drehbank nutze, weil ich dann den Ansatz schön gerade hinbekomme. Werkstück einspannen, Windeisen ansetzen, den Reitstock ohne Einsatz sachte dagegen fahren und mit dem Handrad einen sanften Druck ausüben, während das Futter langsam anläuft. Ich habe es zwar auch gelernt klassisch im Schraubstock und mit "gucken, ob es gerade ist", aber auf der Bank mache ich es lieber.


Mein Sohn hat vor Jahren ein Praktikum bei einem Autotuner/-instandsetzer gemacht, der sich spezialisiert hat auf Oldtimer. Er hat uns mal gezeigt, wie an einer modernen Weiler-Drehbank Gewinde gemacht werden. Hergestellt wurden Stehbolzen für einen Maserati aus den 60ern, für die es sozusagen keine Teile mehr gibt.

Nach Eingabe der Daten auf dem Display prüft die Maschine erst, ob der richtige Meißel eingesetzt ist, fragt nach eine Werkzeugkontrolle, die man durchführen lassen kann. Dann schneidet die Maschine mit dem Meißel eine kuriose Form in einen Probebolzen und stellt darüber den Abnutzungsgrad des Meißels fest. Den Schritt kann man überspringen.

Dann merkt das Futter beim Einspannen, ob der Durchmesser stimmt und dann geht es los. Digitaler Vorschub, keine Verbindung zwischen Welle und Leitspindel über Mechanik. Die Maschine zählt mit, wie viele Bolzen sie geschnitten hat. Das Einspannen muß der Bediener noch selbst machen. Man kann dabei stehen bleiben, so schnell schnitzt die die Gewinde mit superber Qualität.

Während wir Smalltalk gehalten haben und der Chef immer wieder nachgelegt hat, hat die Maschine einen ganzen Set Stehbolzen für einen 12-Zylinder gemacht. Der Mann sagte dann zu meinem Sohn: "wenn die abgekühlt sind, kannste die schon mal vorsichtig in das Gehäuse eindrehen."

Dolle Sache sowas. Wenn man zahlungskräftige Kunden hat, kann man solche Dinge anschaffen.


Gruß

Werner

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