Mein Batteriespeicher: Aufbau, Erfahrungen, Ausblick


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Geschrieben von Heinz am 20. Februar 2025 12:18:30:

Als Antwort auf: Re: Batteriespeicher und Moral geschrieben von Achim Junk am 19. Februar 2025 16:48:11:

Hallo zusammen,

hier die Daten zu meinem Batteriespeicher: BYD DESS-P09H-C08-E, Baujahr März 2014, Datenblatt als Download http://docs.sonnergy-bavaria.de/Solarspeicher/Benutzerhandbuch_BYD-Stromspeichersysteme.pdf
Die Zellen sind LiFePO4.
Es hängen daran zwei PV-Arrays, eines mit 12 Modulen (3,1 kWp) in Süd-Süd-West Ausrichtung mit 38 Grad Dachschräge, das andere mit 27 Modulen (6,9 kWp) in Nord-Nordost Ausrichtung auf 20 Grad Dachschräge. Zudem ein BHKW mit 5,3 kW fixer elektrische Leistung und Anschluss ans Gasnetz (Gerd-Gas, aber auch Biogas-Kontrakt möglich).

Hier gleich schon mal eine Anmerkung, für alle, denen das unten zu lang ist.
Der Unterschied des Ertrag von PV-Arrays mit verschiedener Ausrichtung hängt sehr stark von der Bewölkung ab.
Bei diffusem Licht, also wenn man als Mensch selber nicht erkennen kann, wo die Sonne steht, ist es völlig Banane, wo die Module hinschauen. Das Ertrag-Verhältnis entspricht dann einfach dem Verhältnis der Anzahl der Module im jeweligen Array.
Das andere Extremum ist wolkenloser Himmel. Da hat man auf der Schattenseiten einfach fast nichts zumindest wesentlich weniger als bei Bewölkung.
Die Frage ist also: Wie viele klare und diffuse Tage gibt es am jeweiligen Standort. Wie lange bleibt der Nebel hängen etc. ich denke der Gedanke ist klar geworden.

Zurück zum Speicher. Meine Motivation war v.a. die: Ein BHKW und eine entsprechend dimensionierte PV-Anlage ergänzen sich perfekt über den Jahreslauf. Ich fahre das BHKW primär wärmegeführt, also als Heizung.

Heizbedarf korreliert in unseren Breitengraden mit der solaren Einstrahlung. Was wie eine Platitüde klingt scheinen viele nicht so richtig am Schirm zu haben. In letzter Zeit hört man auch in Deutschland nicht selten: Ich mach mir PV aufs Dach und damit versorge ich dann meine Wärempumpe und mein E-Auto.
Aha: Was in der Nähe des Äquators überzeugen mag, ist in Breitengraden, die zur Ausprägung des Phänomens "Jahreszeiten" neigen eine zunehmend widersprüchliche Herausforderung.

Mein Ansatz ist da eher traditionell. Im Sommer: Viel Sonne, keine Heizung. D.h. die PV-Anlage versorgt meinen kompletten Energiebedarf. Winter, weniger Sonnestunden und (deshalb) Heizbedarf. BHKW übernimmt Wärme und hilft beim Strom.
Da die Sonne generell nur Tags scheint brauche ich den Speicher also schon um über die Nacht zu kommen.
Da Speicherkapazität teuer ist, versuche ich mit möglichst wenig davon auszukommen und die erste Morgensonne schon einzufangen: Das gelingt mit einem Array, das speziell darauf orientiert ist.

Der "ökonmische Wirkungsgrad" des Gesamtsystems ist etwas anderes als der reine physikalische Wirkungsgrad der PV-Module laut den (damals) üblichen Berechungsprogrammen. Ich muss nämlich so früh wie möglich am Tag bereits PV-Ertrag haben um die Batterie wieder hoch zu bekommen, das ist der wertvollere Strom meinem System. Der Mittagspeak einer reinen Süd-Anlage käme einerseits zu spät und wäre andererseits zu viel Energie in zu kurzer Zeit (was eine höhere Speicherkapazität erfordern würde), der ist viel weniger wert.

Mein BHKW moduliert nicht in der Leistung. Die 5,3 kW sind für den Bedarf in dem Objekt weit über der Grundlast. Bevor ich den Speicher hatte leif das BHKW schon ein paar Jahre. Damals habe ich übers Jahr ca die Hälfte des Stroms aus dem BHKW ins Netz eingespeist und nur die andere Hälfte war Eigenverbrauch. Etwa dasselbe habe ich dann wieder zugekauft. Selbstverständlich haben wir Haushaltsgeräte entsprechend koordiniert (Wäschetrockner und BHKW laufen synchron etc.)
Für BHKW-Strom bekommt man den Quartalspreis der Strombörse Leipzig. Der lag viele Jahre im Bereich von 2.5 bis 5 cent /kWh. Für diesen Preis kann man nicht mal das Gas kaufen, geschweige denn Wartung und Abschreibung des BHKW bezahlen (wollte man als reine Einspeiseanlage fahren). Mit anteilig Eigenverbrauch relativiert sich das natürlich, wenn die Alternative ist, kein BHKW zu haben und den gesamten Strom zu kaufen.
Jedenfalls ist der Stromüberschuss ebenso Motivation zur Speicherung. Anstelle für 5 cent verkaufen, speichern und später damit den Zukauf von Strom vermeiden, der etwa 30 cent /kWh kosten würde. Also: 1 kWh einspeichern und wieder rausholen sind 25 cent/kwh Rohertrag.
Nun kann man das alles aus verschiedensten Betrachtungswinkeln anschauen und sich seinen Businesscase schön- oder totrechnen.

Fakt ist, dass ich den Batterien nichts geschenkt habe: teilweise mehrere Voll-Ladezyklen pro Tag im Winter. Im Sommer eher nur einer pro Tag.
Anfangs lag die nutzbare Speicherkapazität bei etwa 8 kWh. Nach 11 Jahren bin ich jetzt bei 1,2 kWh.

Die Produkt-Lebensdauer des technischen Konzeptes dieses "Hybrid-Speicher" ist seitnens BYD beendet. Es gibt weder Ersatzteile noch Support.
Eine kostenlose Rücknahme beim Erwerb eines neuen Systems wurde mir angeboten.
Auch so die Frage: Wie wollen wir das unter der Überschrift "Nachhaltigkeit" einpreisen?

Was in meinem Konzept nicht realisiert ist, ist Netzdienlichkeit. Das werde ich jetzt mit einplanen um wirklich in Echtzeit auf Angebot und Nachfrage aus dem Netz reagieren zu können. Hierzu gibt es schon viele Konzepte am Markt.
Mein System war ein reines Egoistensystem sowzusagen. Ich vergönne keinem meinen Strom zu billigen Preisen und ich sehe es auch nicht ein, dem Versorger zu viel zu zahlen. Das ging soweit, dass ich während der "Gaskrise" 2022, wo Habeck uns zum kalt duschen geschickt hat, noch einen Gaskontrakt für ca 6 cent /kWh hatte. Gleichzeitig ist der Strombörse Leipzig Preis auf fast 38 cent hochgeklettert (das ist mehr als das 10 fache des langjährigen Mittelwertes).
Der Betriebswirtschaftler in mir hat folgendes Szenario empfohlen:
Lass dein BHKW 24/7 laufen und stelle dir einen Pool in Garten als Notkühler.
Hätte sich im Rahmen der Betrachtung gerechnet, der Pool wäre in ca 6 Wochen gezahlt gewesen, der Rest geht dann aufs Urlaubskonto. Kann ich dann 2 mal davon auf Malle fliegen mit der Familie. Erneuerbare Energien sind einfach super!

Ich habe das gute Verhältnis zu meinen Nachbarn im Businessplan mit einer Pauschale eingepreist und davon abgesehen. Kalt geduscht haben wir aber trotzdem nicht, das gebe ich gerne zu. Das Geld ging in die Rücklage für die anstehende Investition in eine Erneuerung des Speichers.

Ich denke, es gibt viele Ansätze, hier was zu tun. Die Zeiten für den Bau von dezentralen Gelddruckmaschinen scheint mir aber vorbei zu sein. Das unternehmerische Risiko ist weit höher als zu Anfangs EEG-Zeiten mit 20 Jahre PV-Garantie und Amortisationszeiten von ca 7 Jahren. Bei den relativ zur Fläche hohen monetären Erträgen in den Nuller-Jahren war die Halle unter der PV quasi geschenkt nach 20 Jahren. Ähnlich lief es Anfangs mit den 250 kW Pflanzenöl-Bhkws, je nach EU-Land gab es aber von je her riesige Unterschiede, man hängt eben stark an den gesetzlichen Rahmenbedingungen mit jeglichem Konzept. Religiöser Eifer ist mir fremd, eher die Faszination der Machbarkeit - und zur Moral und Weltrettung hab ich ja schon genug geschrieben in diesem Thread.

Frisch ans Werk, Männer und lasst euch nichts ein- oder ausreden, "mach und berichte", wie wir immer so schön sagen hier.
Grüße
Heinz

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