Mir kommen den (Freuden)Tränen, den Kramer gibts noch ?


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Geschrieben von Werner am 12. Januar 2026 09:10:06:

Als Antwort auf: Kann man Sintereisenbuchsen aufreiben? geschrieben von waldi am 11. Januar 2026 21:07:47:

Moin Waldi,

danke für den Input, habe sofort die Kramer-Seite aufgerufen. Als erstes fällt die Telefon-Nr. auf, DIE Nummer, die ist nämlich aus Hersel, auch wenn der Laden selbst offenbar jetzt woanders ist. 02222 8001 - ja, was war sie. Wo die Firma gestanden hat, ist jetzt eine kleine Wohnsiedlung. Als ich vor 27 Jahren in mein Heimatdorf zurück gezogen bin, wurde die Firma gerade abgerissen. Ich stand mit meinen kleinen Kindern dort, die Halle war zur Hälfte weg und man konnte in die andere Hälfte schauen, wie in eine Puppenstube. Ich habe meinen Kindern gesagt: "da hat der Papa mal gearbeitet und Maschinenbau gelernt." Neben mir stand ein Grieche, der mir erklärte, er habe dort mal gearbeitet, ich habe ihn sofort mit seinem Namen angesprochen, er konnte sich aber nicht richtig erinnern.

Ich weiß nicht, was Du unter Sintermetall verstehst, ich weiß aber, dass wir die Sinterbüchsen mit Dorn und Plastikhammer eingebaut haben. Die Maße, die wir brauchten, wurden von der Dreherei - autsch, laß mich nachdenken - Bungartz oder so ähnlich gemacht, nein, jetzt habe ich sie gefunden, heißen jetzt WN-Maschinenbau GmbH und nicht Bungartz, sondern Burgartz. Google mal, die sitzen auch in Hersel, aber im Gewerbegebiet.

Die Rohlinge stammten von den Ringsdorff-Werken in Bonn-Bad Godesberg, heute SGL-Group, und waren nur in bestimmten Abmessungen erhältlich, meist auch mit zu großer Wandstärke. Deshalb haben die Brüder Burgartz, sie uns so gedreht, wie wir sie brauchten. Ich habe mal vorlaut gefragt, warum wir das nicht selbst machen . . . . da kriegte ich zur Antwort "Aber Ernie (mein Spitzname aus der Sesamstraße), du glaubst doch nicht, dass wir das mit unseren Maschinen so genau hinkriegen . . . . außerdem ist das doch ne Riesensauerei, mit der ölgetränkten Matsche. Und in der Tat, als ich mal für die Firma ein paar Pakete Sinterbüchsen abgeholt habe, habe ich die Drehmaschine gesehen, auf der das gemacht wurde. Sie sah echt aus, wie . . . und wurde auch nur dafür genommen.

Die Büchsen haben halt Verschleiß. Ich sag mal, wenn Du eine selbst auf Maß bringst und die ein bißchen Spiel hat, dann ist das dennoch eine 300%-ige Verbesserung des jetzigen Zustandes. Und dieser wurde ja schließlich auch durch den Gebrauch der Maschine erreicht.

Wenn Du vom STAHLWERK aus Richtung Süden fährst, also einfach weiter in der Richtung, wo rechts die STAHLWERK-Hallen stehen, dann gleich die nächste links und sofort wieder rechts auf der Seite, da ist WN-Maschinenbau. Ob die das noch machen, weiß ich nicht, der Besitzer ist offenbar ein Nachfolger eines der Brüder. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die sowas noch machen, weil der Rheinländer, und insbesondere der Herseler, seinen Kunden in der Regel treu bleibt.

Aber mal zur Praxis: wenn Du nur mal eben schnell eine improviserte Reparatur haben willst, nimm Messing, ölen nicht vergessen. Wir haben die Maschinen auf Wunsch auch mit Messingbüchsen gebaut, aber auf dem Bau wurde mit den Dingern nicht gerade sanft umgegangen und Handbücher mit dem Hinweise "hier wöchentlich schmieren" wären weder gelesen, noch befolgt worden.

Wenn Du aber original Kramer haben willst, dann setz dich mit der WN-Maschinenbau auseinander. Wenn Du Erfolg hast und die Teile abholst, Schweißgerät nicht vergessen, hier wartet noch ein Auspüffchen auf Schweißung.

Drehen von Sinterrohlingen geschieht zweckmäßigerweise mit Dorn oder Rohr. Wie die Burgartzens das genau gemacht haben, weiß ich nicht. Die Dinger sind gelegentlich auch beim Einbau mal kaputt gegangen. Dann ist man zum Lager geschritten und hat neue geholt. Der alte Lagerist, der Herr Moll, 75 Jahre alt, hat dann gesagt "Jung, soll isch dir dat ens zeeje, wie ma dat määht?"

Dorn mit Bund und dann sanfte Hammerschläge, den Bund mit Übermaß, der schlägt dann ans Eisen an. Ich höre noch die Klänge beim Einbau, "duff duff duff duff . . Klock !" dann war se drin.

Kleben geht meines Wissens nicht, dazu sind die Dinger zu ölig.

Langer Schreibe kurzer Sinn, nimm Messing und drehe das so genau, dass die Welle durchpaßt, laß sie ruhig wackeln, das gehört bei Kramer Maschinen so. Und danke für meinen Durchgang durch die Jugenderinnerungen.

Gruß

Werner

P.S.: mir fällt gerade noch einer ein, den ich loswerden muß: Als Lehrlinge sollten wir auch im Werk die Meßgeräte ausprobieren und dem Meister sagen, was wir ablesen. Große Schieblehre Innendurchmesser . . . .immer dran denken 10mm mehr usw. Die Mikrometerschraube kam nur in Ausnahmefällen zum Einsatz und wurde mir quasi auf dem Tablett überreicht. Ich habe dann Messungen an den Bierflaschen gemacht, die extra für meine Ausbildung kastenweise in der Werkstatt standen, meist geleert. Ich habe auch Rundlauf überprüft, es war immer das gleiche Maß => 70mm. Der Meister meinte hinterher: "Siehste, das genaueste, was es hier gibt, sind die Bierflaschen" und lachte dröhnend.

nee, war das eine herrliche Zeit . . . .

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