Denke er mal, wieviele millionen Jahre das Öl schon alt ist . . .
Geschrieben von Werner am 14. April 2026 22:39:15:
Als Antwort auf: MHD Motoröl, geöffnet und verschlossene Gebinde geschrieben von facet björn am 14. April 2026 13:23:10:
Moin,
in den Schmierölen sind kaum Komponenten drin, die zum Verharzen neigen - sprich, mit Luftsauerstoff Reaktionen eingehen. Die Schmierfähigkeit an sich wird durch Doppelbindungen in den Ketten erreicht. Das heißt, es sind keine reinnen Alkane, sondern Alkene, aber auch gemischt mit Alkanen. Da tut sich auf Jahrhunderte gar nichts. Bei der Herstellung von klassischem Motoröl wird nicht viel mehr gemacht, als ein Rohöl auszusuchen, was mögliches viele Alkene hat und dieses dann so lange und so fein zu destillieren, bis man selbige stark angereichert hat.
Kritischer sind da schon die Additive, die das Öl eindicken, viskoser machen, damit es auch bei höheren Temperaturen nicht zu dünnflüssig für die hochbelasteten Lager wird. Diese Additive cracken, wenn sie zu warm werden, denn das sind ganz lange Molekülketten mit bis zu 150 C-Atomen. Ein Teil der Dunkelfärbung von Motoröl geht auf das Cracken der Additive zurück, kann also auch bei Motoren beobachtet werden, die im reinen Methanolbetrieb laufen, also absolut keinen Ruß in der Verbrennung haben.
Die Additive sind auch empfindlich und empfänglich für Verbrennugsrestprodukte, saure Kondensate etc. Und so läßt mit der Zeit die Viskosität des spezifizierten Motoröles nach. Aber wenn man die Additivreste alle wieder rauskriegt und neue rein macht, ist alles wieder gut. Das Grundöl verändert sich nicht, sofern man nicht gerade mit Öltemperaturen von 200 °C+ unterwegs ist.
Deshalb ist Altölaufarbeitung auch ein super Geschäft. Denn "neues" Öl aus Rohölen ist nicht so ganz billig, weil nur wenig darin vorhanden.
Zum Schluß der Praxistipp: wenn das Öl im Gebinde normal aussieht und beim Behälter wackeln sich so verhält, wie man es eben kennt, dann kann man es nehmen.
Gruß
Werner