Ich habe ein Dislike gegeben
Geschrieben von Werner am 09. Mai 2026 22:20:17:
Als Antwort auf: Heckklappe - fliegt rückwäts geschrieben von Henzo am 09. Mai 2026 16:21:27:
Die Maschine gibt es nicht mehr, traurig genug. Aber damit macht man keine Scherze.
Diese Art der Schubumkehr ist heute Standard. Sie ist nicht so effektiv, die alten Systeme, aber zum rückwärts fahren reicht es allemale. Auf dem Flughafen macht man das nicht so gerne, weil man nichts sieht und plötzliches Abbremsen nicht möglich ist. Denn dann kommt die Nase hoch und wenn es blöd läuft, knallt erst das Heck auf den Boden und dann die Nase derart auf das Bugrad, dass man ans Fliegen an dem Tag zumindest nicht mehr zu denken braucht.
Die Flughäfen schreiben einen Pushback per Fahrzeug vor, weil sie nicht wollen, dass man mit dem Umkehrschub den Vorplatz durcheinander wirbelt - und weil sie natürlich dran verdienen wollen.
Der Pushbacker mit seinem flachen Gefährt schaut unter dem Flugzeug durch und hat eine bessere Übersicht. Diese augenscheinlich kleinen Fahrzeuge wiegen mal eben so 12 bis 20 Tonnen. Das brauchen sie, damit nicht alles durchdreht beim Flugzeug schieben.
Es ist aber schon passiert, dass ein Pushbacker bei Glätte nicht geschafft hat, den Flieger rauszuschieben. Und da hat der Pilot einfach mit der Schubumkehr nachgeholfen, dann gings.
Seit dem Absturz der Lauda-Air-Maschine sind die alten Schubumkehr-Systeme fast alle weg. Diese nämlich hatten hinter dem Triebwerk die Klappen und lenkten den gesamten Triebwerksschub um. Waren sie erst einmal ausgefahren, dann konnten sie unter Last nicht wieder eingezogen werden. Das hat die Hydraulik nicht geschafft. Nach dem Aufsetzen wurden also erst die Triebwerke ganz runter gefahren, die SchubumkehrPaddel ausgeklappt und dann die Triebwerke wieder hoch gefahren. Einklappen ging dann erst wieder, wenn die Triebwerke runter waren und das Flugzeug nur noch langsam rollte. Bei dem Lauda-Air-Unfall waren die Klappen eines Triebwerkes im Flug rausgeklappt, weil die Sicherung nicht richtig justiert war und die Kiste hat sich durch die brutale, einseitige Abbremsung sofort auf den Rücken gedreht und ist steil nach unten abgegangen. Die Piloten konnten nichts mehr machen.
Heute wird nicht mehr der ganze Triebwerksschub umgelenkt, sondern nur das Fangebläse. Das bedeutet, die Bläser blasen nach vorne und die Heißgase weiterhin nach hinten, die Differenz beider Kräfte bildet dann den Rückwärtsschub. Da keine Klappen mehr in den Fahrtwind gestellt werden, sondern sich nur ein Ringspalt öffnent, bleibt das Flugzeug im Reiseflug steuerbar, wenn die Schubumkehr durch einen Fehler betätigt werden sollte.
Aber deshalb ist die Bremswirkung der modernen Schubumkehrsysteme viel schwächer, als früher.
Gruß
Werner