Überdruckfeuerung
Geschrieben von Werner am 17. Oktober 2026 12:43:32:
Als Antwort auf: Re: halb Pöl, halb Höl geschrieben von othmar am 16. Oktober 2026 17:55:05:
Moin,
es gab zu der Zeit, als ich meine Diplomarbeit schrieb, solche Ideen für Hausfeuerungen. Die Überdruckfeuerung - also mit Gebläse - ist in der Industrie fast schon Standard. Man kann damit Kessel bauen, die sehr enge Querschnitte haben, besseren Wärmeübergang und kleiner und billiger zu fertigen sind. Gebläse kosten nicht viel.
Aber bei den Hausfeuerungen gab es ganz abgefahrene Experimente: Ein Abgasturbolader vom LKW sollte den Eingangsdruck erzeugen. Dann kam die Feuerung und dahinter die Turbine des Turboladers. Durch die Wärmeübertragung im Kessel gingen die Abgase abgekühlt in die Turbine und kühlten durch die Nutzarbeit noch weiter runter. Temperaturen von -8°C wurden verwirklich. Damit stieg der rechnerische Wirkungsgrad auf über 100 %. Denn der Umwelt wurde Wärme entzogen.
Es gab heiße Diskussionen damals in den 80ern. Und leider muß ich der Schornsteinfegergilde Recht geben. Einen solchen Kessel samt Abgassystem wirklich sicher dicht zu kriegen, ist einfach unrealistsich. Hausbewohner sind keine Anlagenfahrer, kleine Undichten könnten schon CO entlassen, was auch in sehr kleinen Mengen schon gefährlich wird. Die Abgase, die aus dem Kamin kommen, sind so kalt, dass sie nicht hochsteigen, sondern eiskalt über das Dach nach unten fließen, und das CO2-geschwängert.
Ein Turbolader aus der Serie kostet im EK nicht viel, wenn man viele davon bestellt. Man könnte also . . . . und es funktioniert. Aber aus meiner Sicht gibt das Tote.
Also Ofen nicht beblasen, vielleicht mal kurz zum Anfeuern, aber dann bitte Kaminzug. Das ist und bleibt das sicherste.
Als Student habe ich ein Saugzuggebläse auf Vaters Kamin gebaut, weil der Kamin des elterlichen Bungalows zu kurz war, um das Holzfeuer anzukurbeln. Die Story habe ich schon mal verbreitet. Das Plastik des Ventilators war irgendwann weg. Sprödbruch durch Korrosion wegen der vielen Inhaltsstoffe des Abgases. Temperatur war kein Problem, weil die Einrichtung nur zum Anfahren benutzt wurde. Sobald der weiße Rauch in schwarz oder blau überging, habe ich den Ventilator per Seilzug wieder von der Öffnung weggezogen.
Würde man konsequent Kessel bauen für Drücke von 15 bar, dann könnte man mit der Verbrennung kleine Dampfturbinen für die Stromerzeugung betreiben, könnte eine richtige Turbine mit Axialverdichter auslegen, also ähnlich eines Düsentriebwerkes und könnte mit dem eiskalten Abgas, was dann echte Minustemperaturen von tiefer -50 °C hätte einen Wirkungsgrad rausholen, der besser ist, als bei einer Wärmepumpe.
Für den, der es mag, baut man dann noch einen Stirling-Motor dahinter der die Kälte nutzt.
Praktisch nicht durchführbar, theoretisch und in Versuchen auch schon bestätigt.
Gruß
Werner