Niemals !


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Geschrieben von Werner am 12. Januar 2026 15:02:14:

Als Antwort auf: Wäre so meine Idee gewesen geschrieben von waldi am 12. Januar 2026 11:29:16:

Moin Waldi,

wenn die Dinger wirklich so hart sind wie Du schreibst, dann säßen sie immer noch frisch und munter an Ort und Stelle. Ich will nicht ausschließen, dass auch bei Fa. Kramer irgendwann andere und bessere Teile zum Einsatz kamen, aber in den 80er Jahren habe ich dort noch als Student gejobt und da war das alles noch so, wie in den 70ern, als ich die Lehre gemacht habe. Ich hatte in dem Job dafür zu sorgen, dass immer genug Sickenrollen von allen Sorten vorhanden waren. Gedreht habe ich die nicht, sondern die entsprechenden Rollen bei der Dreherei angefordert. Die kamen aus dem Drehautomaten, danach die in den Härterofen (mein Job) bei 900 °C, wurden in Öl abgeschrecket, mit der Stange aus dem Bad gefischt und kamen in Sägemehl. Wenn die halbwegs anfaßbar kalt und vom Öl befreit waren, ging es an die Maschinenbürste zum Reinigen bis sich ein gleichmäßger Schwarzgrauton einstellte. Chef legte Wert auf das Aussehen, meinte, wir könnten die auch in Wasser härten, aber dann hielten sie zu lange - kein Witz. Die Arbeit war eine rechte Sauerei und keiner wollte die gerne machen. Das kam der Studiosus gerade recht. Ich kriegte freie Zeiteinteilung, konnte kommen, wann ich wollte. Im Winter war der Härteofen eine gute Sache. Nasennebenhöhlen wurden auf das Kräftigste mit Infrarotlicht gewärmt und Schnupfen hat sich gar nicht erst eingestellt.

Die Lagerlasten dieser Sinterbüchsen sind gering, wie schon geschrieben, wurden auch verschleißfestere Messingbüchsen verkauft, das war meines Wissens noch nicht einmal Rotguß. Nur mußte dann wirklich regelmäßig geschmiert werden, was diesen Kunden auch bewußt war.

Die Sinterbüchsen waren so weich, dass man die mit einem versehentlichen Hammerschlag schon zerbröselt hat. Wenn man fester drauf gekloppt hat, trat das Öl zutage. Gefühlt konnte man das Material mit dem Fingernagel eindrücken, was aber nicht stimmte.

Das Material besteht zum großen Teil aus Graphit, welches bei hohen Temperaturen hergestellt wird. Kohlenstoff neigt bei Temperatur zur Graphitisierung. Aber genaues weiß ich nicht. Es ist ein eigenes Know How der Ringsdorff-Werke gewesen, auf das die französiche Firma SCL Carbon sehr scharf war. Die hatten sonst die Kugeln für die schnellen Brüter hergestellt und wollten mehr machen.

Wie das Öl dann ins Material kommt, weis ich nicht. Das Graphit wurde in einem Mischer mit anderen Komponenten versetzt. Alles geheime Rezepte. Die Mischung fand in Methanol statt. Man hatte heraus gefunden, dass Methanol die Reibung herabsetzt und die Mischung verbessert, andererseits auch auch am besten wieder verfliegt.

Wir hatten in den 90er Jahren eine Anfrage in dem Ingenieurbüro, wo ich stellvertretender Niederlassungsleiter und Akquisiteur war. Dem Hersteller war die Unfallverhütung aufs Dach gestiegen, weil brennbare Stoffe im Mischer verwendet wurden. Wir haben eine Ex-Studie gemacht und konnten nicht in Erfahrung bringen, wie viel Methanol da rein kam. Man wollte es uns schlicht nicht sagen. Also haben wir das allgemein gehalten, aber nie wieder was von den Graphiteuren gehört. Ich schätze mal, die haben sich irgendwie geeinigt, es war/ist ja auch nicht irgendein Arbeitgeber in Bonn.

Wenn Du Sinterbüchsen kaufst, spanne sie nicht ohne Schutz in die Drehbank ! Für Innenausdrehen empfiehlt sich ein Rohr, für Außenabdrehung ein Dorn, sonst zerlegst Du den Ring schon beim Einspannen in drei bis sechs Teile.

Ich werde mich mal Richtung WN-Maschinenbau bewegen und fragen, ob die sowas noch machen. Vielleicht haben die ja auch was für mich zu tun. Wäre toll !

Gruß

Werner

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