Re: Motor kalt fest? Nö


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Geschrieben von Werner am 05. Januar 2026 16:35:35:

Als Antwort auf: Motor kalt fest? geschrieben von Joachim S am 04. Januar 2026 14:38:19:

Moin,

generell gibt es da nichts zum Festklemmen. Die Lager haben etwas Spiel und hätten evtl. gerne schon etwas Öl zum Laufen, aber da innen und außen fast das gleiche Material verwendet wird, tut sich bzgl. Wärmeausdehnung nichts, bzw. nicht viel.

Die Kolben sind oben am Kolbenboden etwas kleiner, als das Nennmaß. Dort wird es im Betrieb richtig warm und die dehnen sich auch dort nennenswert aus. Sie werden allerdings nicht dichter, weil das die Kolbenringe schon übernehmen. Das Kolbenkippen ist aber im kalten Zustand potentiell etwas stärker. Es ist also sicherlich nicht schlecht, einen eiskalten Motor nicht sofort auf Nennleistung zu bringen.

Der Brennraum wird im Prinzip durch den ZK und den Kolben gebildet, das bißchen Zylinderwand, was zum Zeitpunkt der Hauptverbrennung noch als Ring drumrum ist, fällt wärmetechnisch kaum ins Gewicht. Zudem ist wird der Zylinder auch gekühlt. Ob Luftkühlung oder die effektivere Wasserkühlung . . . um den Zylinder herum läßt sich Kühlung sehr einfach verwirklichen, während das beim ZK schon schwieriger ist. Beim Kolben kann man mit Anspritzkühlung was machen. Ich weiß aber nicht, ob die Benziner-Rennautos sowas haben.

auf alle Fälle dehnt sich der Zylinder niemals stärker aus, als der Kolben. Und selbst wenn er das täte, ist so viel Bewegung in den Kolbenringen auch noch drin.

Ich finde nichts darüber, dass Rennmotoren vor dem Start aufgewärmt werden. Ich will es nicht bestreiten, aber ich gehe davon aus, dass man davon öfters hören würde, wenn es so wäre.

Lokomotivmotoren und generell Großdiesel werden vor dem Start gewärmt. Wenn eine Lok nur für kurze Zeit irgendwo abgestellt ist, bleibt die Heizung aktiv. Bei den amerikanischen Loks sorgt eine automatische Starteinrichtung dafür, dass der Motor nie komplett auskühlt. Das führt gelegentlich dazu. dass Passanten überrascht werden, weil auf einmal eine unbenutzte und unbemannte Lokomotive anspringt, für ein paar Minuten läuft und wieder ausgeht.

Die englischen Dieselmaschinen auf der Schiene wurden nicht vorgewärmt. Nachdem es mit den englischen Motorlieferanten nicht so richtig geklappt hat, hat man die Motoren aus der Schweiz bestellt. Und bei Sulzer vertrat man die Ansicht, dass Vorwärmen nicht nötig ist. Als 1986 dort war, wurde mir vorgeführt, wie eine Schiffsmaschine gestartet wird. Ich habe erst gestaunt, wie riesig das Ding war und dann gesagt: "die würde ich gerne mal laufen sehen, aber das geht ja wohl nicht so schnell, weil die ja kalt ist ?" und im besten Schweizerdeutsch kam zurück: "Nein, die kchönnen Sie starrten, wie einen PeKchaWeee . . . " Dabei machte der Mann eine Handbewegung, als würde er einen Zündschlüssel rumdrehen. Die Maschine war eine Vierzylinder mit 10.000 PS bei 102/min. Der Mann rief die Kollegen oben auf der Bühne und fragte, ob sie mal "für den Besuch" eben den Motor anblasen könnten. Das dauerte nur Sekunden, dann strömte die Preßluft in die Zylinder, das Riesenschwungrad dreht an, als wenn einer sein Moped angekickt hätte und dann lief der Riese auch schon, drehte hoch auf 96/min, und fiel dann wieder ab auf etwa 60/min. Ich sagte, dass sie wohl beim kalten Motor die Drehzahl extra schnell wieder reduziert hätten, aber nein, der Motor hing bereits mit 6000PS an der dynamischen Wasserbremse.

Es war doll zu sehen, dass die Rohre für die Wasserbremse dicker waren, als die für die Motorkühlung. Der Motor hatte damals schon einen Wirkungsgrad von 54%. Ich bin aus der Halle gerannt und habe nach dem Abgaskamin geschaut. Ein bißchen Luftflimmern, KEINE Trübung, absolut nichts zu sehen.

Die Sulzer-Typen waren ganz locker und freuten sich über mein Erstaunen. Auch die Lokomotiv-Motoren bräuchten nicht gewärmt zu werden, meinten sie. Es könnte aber praktisch sein, wenn man Angst vor Kondensatbildung etc. hätte.

Und die Kompressoren ? Jaaaa, die müssen warm bleiben, damit das zu verdichtende Gas nicht ins Öl kondensiert. Ich war verdutzt, wir haben immer die Sulzer-Verdichter mit Heizungen ausgerüstet. Erdgas kondensiert ins Öl ? Gibts doch gar nicht. Propan/Butan vielleicht, aber doch nicht die leichten. Später erfuhr ich, dass andere Kunden bei Sulzer die Verdichter auch ohne Heizung bestellen und betreiben. Ja denn

Richtig oder falsch ist auch in der Industrie häufig nicht so ganz klar und der eine will einfach die Vorschmierpumpe, der andere sagt, alles, was nicht dran ist, kann auch keinen Ärger machen . . . . . und der Verkäufer der Herstellers bemüht sich, seinem Kunden möglichst Recht zu geben, damit dieser sich gut fühlt. Wir haben da schon die lustigsten Sachen erlebt und dann letztlich auch immer nach Kundenwunsch gebaut, bzw., den Kundenwunsch vor anderen vertreten.

Sulzer ist Geschichte, heute baut Wärtsilä die Riesendinger in fast unveränderter Form. Einziger Konkurrent: MAN, eine VW-Tochter. Die MAN-Motoren haben alle die Möglichkeit, gewärmt zu werden und die Schiffsbetreiber machen das auch. Die Frage, ob notwendig oder nicht, wird nicht gestellt. Die Generatoren laufen an Bord eh ständig und ich dachte, mit deren Kühlwasser wird dann "der Dicke" gewärmt, aber weit gefehlt. Die Heizung ist elektrisch. Das kommt bei den großen Pötten nicht so drauf an.

Gruß

Werner

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