Rettungsschirm - richtig !
Geschrieben von Werner am 04. März 2025 22:27:21:
Als Antwort auf: Re: welche funktion haben die kräftigen Stahlkabel... Rettungsschirm?. geschrieben von Schorsch am 04. März 2025 18:12:26:
Moin,
im Falle eines Falles hängt das Flugzeug an verschiedenen Aufhängepunkten durch die Stahlseile gehalten am Rettungsschirm. Und der Pilot sitzt dann drin und ist zur Untätigkeit verdammt. Er kann dann nur hoffen, dass der Aufschlag einigermaßen sanft ist und das Flugzeug sich anschließend noch wieder gut raparieren läßt.
Ausgelöst wird das Rettungsgerät manuell durch Ziehen eines roten Griffes:
Man sieht auf dem Bild die kleinen blauen Kabelbinder, mit denen der Griff momentan arretiert ist. Wird er gezogen, dann wird eine kleine Glaspatrone mit Säure geknackt, die eine Sprengstoffladung auslöst, die wiederum eine Rakete abschießt, die den Fallschirm aus seinem Gefäß rauszieht. Beim Einbau eines solches Gerätes stehen mir immer die Nackenhaare zu Berge, weil man immer guuut aufpassen muß, dass man nicht versehentlich den Griff auslöst. Später werden die Kabelbinder entfernt und dort kommt ein Vorhängeschlößchen dran mit einer Fahne "Remove before Flight!" Der Schlüssel für dieses Schlößchen sollte möglichst nicht verloren gehen. Da es kein Zündschloß gibt, wo man den mit dran hängen könnte, muß er einen eigenen Platz bekommen. Ungesicherte Rettungssysteme am Boden bedeuten eine Gefahr und bringen dem Halter evtl. hohe Strafen, wenn damit was passiert. In einem Fall hat mal ein Kind an einem geparkten Flugzeug gespielt und den Griff gezogen. Das Flugzeug stand in einer Halle, die Rakete ist buchstäblich durch die Decke gegangen (Eternit-Wellplatten) und der über hundert Quadratmeter große Rettungsschirm hat sich über so viele andere Flugzeuge ausgebreitet, dass es nicht möglich war, ihn zu entfernen, ohne ihn zu zerschneiden. Die Kosten wurden von keiner Versicherung übernommen.
Die Rakete ist extrem laut, sprüht richtig Feuer und zerrt mit echter Kraft an den Leinen. Die Stahlkabel sind außen am Flugzeug verlegt und nur mit Klebeband überdeckt. Auf den ersten Blick sieht man sie nicht. Es gibt auch Konstruktionen, wo die ganze Bespannung aufgerissen wird, wenn das Ding Feuer macht. Es geht dabei um Leben retten und nicht um schönes Aussehen bei der Punktlandung.
Ich habe eine pyrotechnische Einweisung beim Hersteller bekommen und war erschrocken, wie leicht sich der Griff ziehen läßt. Es macht nur einmal Knack und dann hat man es nicht mehr in der Hand, was passiert. Man soll die Augen schließen und die Ohren (wie immer das geht) und nach dem Bremsruck soll das Flugzeug mehr oder weniger sanft zu Boden schweben. Ich hoffe, dass ich davon nie Gebrauch machen muß.
Tatsächlich ist solch ein System aber ein extremer Sicherheitsgewinn, der schon vielen Leuten das Leben gerettet hat. Sportflugzeuge haben gar nichts, weder Rettungsgerät noch Fallschirm für den Piloten. Wenn da mal was ist, MUSS der Pilot das Flugzeug einigermaßen sicher an den Boden führen. Segelflugzeuge haben Fallschirme für den Piloten, aber bei nur wenigen Unfällen hat das auch den oder die Piloten gerettet. Die Fehlerrate ist enorm. Die Zeit reicht nicht, wenn in zu niedriger Höhe etwas passiert. So schnell ist keiner aus dem Flugzeug, wie es sein müßte. Und wir sind alle nur Hobbyflieger und keine Bundeswehr-Fallschirmjäger. Der Schirm braucht auch eine ziemliche Fallhöhe, um sich zu öffnen, da ist die Rakete besser, die zieht die Leinen schon lang, sodaß der nur noch aufklappen muß.
Beim Aufsetzen mit Rettungsschirm am Mann geht auch nicht immer alles gut. Die Standardsinkgeschwindigkeit ist 7 m/s und wenn noch Wind dazu kommt, ist das schon verdammt schnell, um ohne Helm oder Schutzkleidung irgendwo aufzuschlagen. Die Verletzungen sind zwar meist nicht tödlich, aber ein gebrochener Fuß ist ja auch nicht gerade dass, was man am Wochenende so haben möchte.
Den roten Griff kann man immer ziehen, selbst wenn einem schwarz vor Augen wird.
Beim Kiebitz sollte der Einbau des Rettungsgerätes (das ist Vorschrift bei ULs) waagerecht erfolgen und die Rakete sollte quer die Rumpfwand durchschlagen und den Schirm seitlich rausziehen. Das hat mir nicht gefallen und ich habe die Büchse hinter dem Pilotensitz untergebracht in senkrechter Ausrichtung. Da der zylindrische Behälter zu lang war, habe ich ihn oben rausschauen lassen und eine kleine Abdeckung drüber gebaut, die gleichzeitig die Aerodynamik hinter dem Kopf des Piloten verbessert. Diese Monoposto Attidüde ist nur aufgelegt und mit Gummis gehalten. Beim Aulösen würde sie wegfliegen. Nebenbei schaut sie auch noch ganz hübsch aus, wie ich finde:
Als ich mal mit dem Ding auf dem Flugplatz zugange war, war die Abdeckhaube gerade mal runter und Leute kamen und haben gefilmt. Und einer der Experten sah in dem runden Zylinder hinterm Piloten einen Holzvergaser und freute sich, sowas historisches mal zu sehen. Er konnte dann auch gleich das Baujahr schon eingrenzen. Ich habe ihn in dem Glauben gelassen, das war für uns beide schöner.
Gruß
Werner
- krass Henzo 05.03.2025 00:41 (3)
- Das muss man dann schon wollen, oder eher müssen. waldi 05.03.2025 10:20 (1)
- Das ist genau der Grund, Werner 05.03.2025 19:33 (0)
- Inzwischen kommt das auch für die Großen Werner 05.03.2025 03:27 (0)