Lieber Uli, ich habe Anmerkungen


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Geschrieben von Werner am 27. Mai 2026 11:26:09:

Als Antwort auf: Re: Ofensteuerung geschrieben von Uli S. am 26. Mai 2026 17:39:27:

Moin,

der D-Anteil wächst sich schnell zum Mysterium aus, was hauptsächlich daran liegt, dass er scheinbar etwas richtig macht, was sich dann aber als Unheil entpuppt.

Nochmal ganz klar: der D-Anteil steuert der Veränderung des Meßwertes entgegen. Er schaut also weder in die Zukunft, noch ist er als Dämpfer geeignet. An dieser Stelle geht nämlich meist das Gefummel los.

Deshalb nochmal, für eine Ofensteuerung Finger weg vom D-Anteil !

Ich gebe jetzt mal ein Beispiel für einen D-Anteil:

Bei modernen Autos, wie z.B. beim Polo meiner Freundin, ist es nicht möglich, den Motor im Leerlauf hochzujagen. Wenn man also versehentlich oder gewollt (Angebergas) im Leerlauf und/oder getretener Kupplung voll aufs Gas steigt, dreht der Motor nur behäbig hoch und bleibt bei ca. 3000/min stehen.

Ob das über einen D-Anteil gemacht wird, oder ob das eine reine Steuerung ist, die erkennt, dass jemand Übles vorhat, kann ich gar nicht sagen, aber es wäre dennoch ein Beispiel für einen D-Anteil.

Szenario: der Fahrer tritt auf das Gas, das Signal kommt in die Steuerung, diese setzt das um durch Öffnen der Drosselklappe, der Motor dreht hoch, aber mit sehr schneller Änderungsgeschwindigkeit, die den D-Anteil dazu bringt, das die Drosselklappe nicht so weit zu öffnen, wie vom Sollwert vorgegeben.

Wäre jetzt nur ein reiner PID-Regler am Werk, dann würde der Motor entsprechend langsam hochdrehen bis zur Grenzdrehzahl.

Der D-Anteil ist NICHT als Schwingungsdämpfer geeignet, aber . . . .

wenn ein Regler sehr stramm eingestellt ist und bei kleinen Änderungen gleich wieder anfängt zu schwindgen, die Schwingung aber von selbst wieder abklingt, DANN kann man das mit etwas D-Anteil dämpfen. . . . . . leider ! Das sieht dann so aus, als habe jemand mit richtig Ahnung in die Trickkiste gegriffen - Nachahmer inbegriffen.

Denn sinnvoller ist es, die Verstärkung in so einem Fall zurück zu nehmen, also den P-Anteil zu verkleinern und den I-Anteil die Störung wieder ausregeln zu lassen. Die Einstellregeln sagen sogar, dass man den Punkt der stabilen Schwingung ermitteln soll und dann den P-Faktor um 50% reduzieren soll, also nicht nur ein bißchen zurücknehmen.

In der "guten alten Zeit" von pneumatisch/mechanischen Reglern mußte man den D-Anteil extra mitbestellen. Er war nur selten anzutreffen, die Mehrzahl der Regler waren reine PI-Regler. Das hatte auch seinen Grund.

Heute macht die Elektronik alles ohne Mehrpreis und schon geht das Gespiele los. Die Nachtschicht langweilt sich und schon wird dran rumgefummelt. Bei vielen Kunden hat die Betriebsleitung den Zugriff auf die Reglerparameter einfach gesperrt - was ich leider begrüßen muß.

Die Regelaufgaben haben sich in der Zeit schnell wachsender Elektronik generell nicht verändert. Es ist zwar heute möglich, Spezialfälle zu regeln, die vorher mit pneumatischen Geräten nicht gingen, aber das sind Spezialfälle, die dann auch meist mit Spezialalgorithmen gelöst werden.

Für einen Ofen reicht ein einfacher I-Regler. Das Aufheizen geht eh nicht merklich schneller, wenn man einen P-Anteil setzt. Es ist sogar für die Heizelemente schonender, wenn sich die Heizleistung allmählich aufbaut.

Der echte Schwachpunkt am pneumatischen Regler war und ist die I-Sättigung, die den Regler beim Abschalten des Vorganges immer weiter bis zum Anschlag in einer Richtung laufen ließ. Es gab Schalter, die das unterbunden haben, die waren aber auch mit Vorsicht zu genießen. Das ist bei den elektronischen Geräten kein Thema, deshalb arbeite ich auch lieber damit.

Nur wie gesagt - es wird viel zu viel an den Dingern rumgespielt. Geduld ist nicht gefragt, wer nimmt denn heute noch eine Ortskurve auf ? Das muß doch alles viel schnell und jetzt und sofort . . . . dann ist die Schicht zuende und der Kollege fummelt weiter.

In den meisten Fällen verzeiht die Anlage das, so empfindlich sind die gar nicht. Aber gelegentlich wirft jemand damit auch mal den Prozess auf den Bauch. Wen der Betriebsleiter Ahnung hat, dann gibts eine Kopfnuß für das nächtliche Spielen. Meist haben die Betriebsleiter aber nur Ahnung von Stundenzetteln, Ausreden gegenüber der Produktionsleitung, Hand auf halten bei Lieferanten, die den Standort beliefern möchten usw.

Gruß

Werner

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