Re: CO2 Berechnungen


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Geschrieben von Heinz am 15. Februar 2025 20:45:43:

Als Antwort auf: Re: CO2 Berechnungen geschrieben von Joachim S am 15. Februar 2025 19:34:12:

Hi Jo und alle,

schade, Jo, dass du nicht rechnen willst. Dann könnte man deine Einschätzung besser mit der von Willner vergleichen, bzw. sehen wo das auseinander läuft.

So klar ist das m.E. selbst beim einmal drüber schauen nicht:
Die Crux bei Strom ist, dass immer genauso viel verbraucht werden muss, wie erzeugt wird, oder man muss aktiv speichern und das ganze in Echtzeit. "Überlaufen" kann und tut da nichts, das ist eben die Schwierigkeit, die sich auch etwas der Intuition entzieht. Besonders macht es die Diskussion um "ökonomische Wirkungsgrade" sehr aufwendig und abhängig vom Rahmen, in dem man drauf schaut. Der physikalische Wirkungsgrad eines Prozesses geht vom Vorhandensein der Energie auf einer Seite (hier Strom) aus und schaut sich die Umwandlung an. Die Betrachtung muss aber offensichtlich weiter vorne ansetzen, weil Strom eben nicht einfach da ist oder man ihn einfach bevorraten und aus dem Lager holen kann.

Auch qualitativ und ohne Rechnen kann man das natürlich betrachten. Ich will es mal in Willner´s Ansatz versuchen. Er geht davon aus, dass wir global für unseren Planeten noch ein gewisses CO2-Budget zur Verfügung haben, das noch zusätzlich in die Atmosphäre darf (damit irgendwelche Erwärmungsziele eingehalten werden können. Ob das eine sinnvolle Annahme ist, sei mal dahingestellt, scheint aber zumindest bei all den Ländern politische anerkannt zu sein, die sich zu entsprechenden Klimazielen bekennen. Dass deren weniger an der Zahl werden ist auch nicht gerade Stütze für die Strategie, aber sei es drum.)
Nun schaut sich Willner den weltweiten Aufwuchs der Verbrennerfahrzeuge an und deren durchschnittliche Lebensdauer und stellt fest: Wenn die alle mit fossilen Kraftstoffen weiterfahren, dann sprengt es das Budget. Also geht er nicht - so wie du - davon aus, dass es Strom dirket sein muss, und nur ein paar Oldtimer noch fossilen Sprit brauchen werden. Auch geht er nicht von einem nationalen Ansatz aus, sondern sieht die Aufgabe global - was ja auch Sinn macht, wenn man von Klima und "Erderwärmung" spricht.
Seine Prämisse ist also, dass wir eine CO2-Lösung für Verbrennermotoren brauchen, weil uns schlicht die Zeit (das Budget) nicht reicht, die gesamte Weltbevölkerung auf E-Fahrzeuge umzustellen, der Gründe dafür gibt es viele.

Und damit kommt er zu E-Fuels, die man dann in Chile oder sonstwo herstellt, wo erneuerbarer Strom besonders kostengünstig produziert und sofort in die flüssige Energieträger umgewandelt werden kann. Immerhin fehlt es bei der Wirtschaftlichkeit nicht um Größenordnungen sondern eher um kleine einstellige Faktoren.

Ob die nun Steuer haben müssen und wie hoch die ist, ist eine andere Frage. Die Taxonomie-Richtlinie ist in der EU gerade in Arbeit. Vielleicht geht man dann auch endlich mal dazu über, nicht Volumen (Liter) sondern Energieinhalt zu besteuern, das ist momentan auch nicht korrekt bei Diesel und Biodiesel z.B.
Im Zuge dessen könnte man das alles auf CO2-Intensität umstellen und dann eben auch eine Berechnungsgrundlage für Strom in der Mobiltät festlegen - die nicht von Null CO2 ausgeht (was sicher falsch ist) und dann noch diese relative Einsparung mit dem Faktor 3 an Klimaziele anrechnet, wie es aktuell der Fall ist. DAS hilft vielleicht zur formalen Erfüllung von Zielvorgaben auf dem Papier, das Klima lässt sich aber damit aber nicht betrügen, sowenig wie eine rechnerische Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ich bin in vielen Punkten bei Willner, im Rahmen der Betrachtungsgrenzen.
Man könnte den Horizont aber noch größer machen, und damit kommt man an den Punkt, wo man zuvorderst einen Weg finden muss, die Förderung fossiler Energien weltweit herunterzufahren. Wenn es dazu keinen Konsens gibt, bleibt es vorerst die billigste Energiequelle und es werden sich genug Leute (Nationen) auf dem Planeten finden, die diese auch nutzen. Dann sind "unsere" erneuerbaren Energien einfach on top. Insgesamt heizen sie damit den Energieverbrauch an, steigern den Wohlstand und damit den CO2 Fußabdruck pro Kopf. Auch wenn ihr den Hans Werner Sinn nicht so recht akzeptiert, aber diese Geschichte hat schon eine verblüffende Logik in sich. Das ist zumal einfacher als Wirkungsgrade.

Die Glanzeit der Faktenchecker scheint vorüber zu sein, die glauben machen wollten, dass man alles kurz mal eben klarstellen kann mit 5 Sätzen. Nicht zuletzt durch die KI erhält man je nach Fragestellung zum selben Thema ein gewisses Gespür für die Komplexität der Dinge. Wer nun wie den Bias setzt für die jeweilige KI wird eine sehr spannende Sache werden jetzt, wo die Chinesen jetzt vorgeprescht sind.
Hier werden sich neben den Ingenieuren und Naturwissenschaftler hoffentlich auch die Philosophen mal endlich wieder qualifiziert in die Debatte einbringen. Ich freu mich drauf.
Grüße
Heinz


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